Entdeckungen bis zum Schluss

Oder: Verflixt teurer Tee

 Die Abschiedsphase ist offiziell angelaufen. Beinahe jede Verabredung diese Woche ist ein Abschiednehmen, ein letztes-Mal-zusammen-Weggehen oder auch ein schnell-noch-machen-bevor-ich-abreise. Wie Shoppen mit Karin zum Beispiel. Oder Essen gehen mit den Kolleginnen. Oder eine chinesische Teeprobe mit Phil machen. Letzteres stand heute auf der Tagesordnung. Unerwartet, wie ich gestehe. Von außen sieht der Teeladen am Place Monge nämlich ziemlich unspektakulär aus: Holzstühle statt niedlicher bestickter Bodenkissen, große, kühle Glasfenster statt kuscheliger Vorhänge und, naja das große Regal voller Teedosen ist ja nun nicht so sehr besonders. Wobei der Name "Maison des trois thés" ja nun etwas untertrieben ist. Nicht drei sondern etwa 130 Teedosen stehen hinter der Theke bereit. Besonders ist allerdings, dass man klingeln muss, um eingelassen zu werden und beim Eintreten freundlich darauf hingewiesen wird, dass die Herrschaften in einer Stunde schließen. Wieso das so wichtig ist, lernen wir erst, als wir kleine Holztabletts mit winzigen Tässchen duftender Teeblätter vor uns stehen haben und uns die nette Kellnerin das Prozedere für jeden Tee einzeln erklärt. Wir haben uns zuvor als Laien geoutet, ihren mitleidigen Blick geschluckt und die Karte für uns als unbrauchbar erklärt. Letztere ist vergleichbar mit einer gut sortierten französischen Weinkarte - mit dem einzigen Unterschied, dass die Namen alle auf chinesisch eingetragen sind. (Die Übersetzung in lateinische Schrift hilft da leider wenig). Die Preise sind jedoch tatsächlich ähnlich und ich lerne erstaunt, dass man tatsächlich weit über 100€ für eine Portion Tee (nein, nicht für die 200g-Packung!) bezahlen kann. Für den Anfang reicht uns der weiße tshing yung ban (oder so ähnlich) für 11€. Er kommt in einer zarten weißen Tasse mit einer großen Kanne heißem und einem kleinen Kännchen kaltem Wasser, damit die feinen Blättchen nicht beim Aufgießen verbrannt werden. Phils schwarzer Tee dagegen wird nicht nur heiß aufgegossen sondern das Kännchen selbst wird noch einmal mit kochendem Wasser übergossen, damit die Blätter schön ins Schwitzen kommen. Wie bei einer Weinprobe wird zuerst am Tee, später an der leeren Tasse geschnuppert und wir stellen erstaunt fest, dass der rauchig-herbe Tee einen süßen, honigartigen Duft zurücklässt. Die Stunde geht viel zu schnell vorbei und ich habe meine zweite Portion gerade erst aufgegossen, als die Geschäftigkeit um uns herum immer deutlicher wird. Die Chefin ist offensichtlich am Aufräumen und wir verstehen den Wink. So ziemlich jede Faser meines Körpers sträubt sich nach diesem mummelig warmen Zeremoniell in die Winterkälte hinauszutreten und ich versuche angestrengt, mich mit Gedanken an die Tadschikische Teestube in Berlin aufzuwärmen. Klappt noch nicht so gut. So ganz bin ich in Gedanken eben noch nicht zu Hause. Und das ist gut so, denn ich will meine Zeit hier bis zur letzten Minute genießen.

Maison des trois thés: 1,rue Saint-Médard, 75005 Paris. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag von 11-19:30h. Teezeremonie von 13-18:30

17.12.09 16:51

Letzte Einträge: Soul (wie) im Bilderbuch, Abgehoben, Zu früh gefreut..., Dezemberträume...(special edition), Erotik in Bronze gegossen

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Chriz (18.12.09 10:50)
hört sich wirklich toll an, diese teestube, hat er nie mit mir gemacht! :-( ;-)