Ungezügelter Süden

Im Königreich Württemberg wurde im Jahre 1808 ein studentischer Geheimbund ausgehoben, dessen Mitglieder laut Gründungsurkunde „frey und unabhängig, los von den Fesseln fremden Zwanges“ leben wollten  - weit im Süden selbstverständlich, und am liebsten natürlich in der Südsee. „Dort wollen wir sie suchen, die köstliche Freyheit!“Quelle

Der Süden hat offenbar doch noch mehr zu bieten, als allgemein angenommen. Trotzdem zieht es mich wieder nach Berlin. Wie und wann ich dort ankommen werde, kann jetzt noch niemand mit absoluter Sicherheit sagen. Aber wie man auch an meinem Blog erkennen kann, ist das Leben hier unten nicht ganz so spannend. Die Motivation zu Schreiben war leider nur selten gegeben und ich werde diesen Blog möglicherweise bald auf Eis legen - bis es wieder mehr zu berichten gibt.

P.S.: Leider wurden meine Einträge in letzter Zeit mit Werbung vollgespamt, sodass ich die Kommentarfunktion deaktivieren musste. Kritik, Lob und Anregungen dürfen aber nach wie vor gerne im Gästebuch platziert werden. Nutzt die Chance - solange es den Blog noch gibt... 

Asche zu Asche!

Also das ist doch alles asche hier! Glaubt nicht, ich hätte etwas damit zu tun, dass dieses hübsche Land im kalten Norden rußt und raucht, dass die Flughäfen zwischen London und Frankfurt das machen, was sie am liebsten tun: dicht! So wörtlich war das gestern nu auch wieder nicht gemeint. Trotzdem fühlte ich mich ein wenig flau im Magen, um nicht zu sagen aschfahl im Gesicht, als ich heute die Schlagzeile der Stuttgarter Zeitung gelesen habe. Wenn nun alle meine Aussagen derart verstärkt in Erfüllung gehen, muss ich in Zukunft meine Flüche ein bisschen überdenken bevor ich sie ins web schicke. Jo heilandsack do könnt's mich doch ammol... ähhhm. *stillschweigt*.

Städte mit Türmen

Schande. Schmach! Asche auf mein Haupt und einen tiefen Kniefall vor allen, denen ich schon vor meiner Abreise eine Weiterführung des Blogs versprochen habe. Jetzt bin ich schon 6 Wochen hier und habe noch keinen einzigen Text veröffentlicht. Dabei waren die ersten Zeilen schon gespeichert, bevor ich das erste Wochenende meines neuen Praktikantendaseins feiern konnte. Natürlich will ich sie euch nicht vorenthalten aber mehr jibbet heute nüschd. Denn manchmal hat frau Glück und andere machen die Arbeit der Berichterstattung sogar noch schneller und besser. Viel Spaß beim Lesen! 

Und wer keine Lust auf den absolut tollen Text von Anna-Katharina Hahn hat, darf die veraltete Variante von mir lesen. Aber dann bitte auch keine Beschwerden über Unvollständigkeit! Also:

So sehr anders als in Paris oder Berlin ist es garnicht hier in Stuttgart. Am Horizont streckt sich ein hoher schlanker Turm in den blitzblauen Himmel und die Menschen genießen sichtlich die ersten Frühlingssonnenstrahlen. Alles bekannt. Trotzdem bin ich neu und dennoch schmunzele ich, wenn altvertraute Ecken immernoch genauso aussehen, wie damals als ich mit 12 Jahren zum ersten Mal mit einer Freundin in Benztown bummeln gehen durfte. Natürlich kenne ich mich aus, auch wenn ich mir den Weg zum Büro extra noch einmal erklären lasse um nicht zu spät zu kommen. Doch schon auf dem Heimweg spare ich mir die U-Bahn und laufe selbstverständlich am Breuninger vorbei und durch die Fressgasse zur Station Stadtmitte. Fremd bin ich garantiert nicht. Eher irritiert. Hier wohne ich nun also. Mal wieder.  Die aufgeregt Vorfreude, die normalerweise an einem neuen Wohnort aufkommt, ist hier verständlicherweise etwas gebremst. Ich hatte nicht damit gerechnet, so schnell wieder für lange Zeit ins "Ländle" zurückzukehren...

Erotik in Bronze gegossen

"Wenn du Skulpturen magst, geh ins Musée Rodin!" Phil hat mir einen der besten Kultur-Tipps gegeben. Obwohl es für den Skulpturengarten eigentlich viel zu kalt ist, nehme ich mir vor dem Höllentor und dem Bildnis Balzacs die Zeit, die Erklärungen des Audioguides anzuhören, von dem ich gleich doppelt begeistert bin: Nicht nur sind die Texte sehr passend mit Auszügen aus der Zauberflöte unterlegt, sondern der Sprecher spricht tatsächlich so deutlich dass ich das Allermeiste problemlos verstehe. Bin stolz auf mich . Leider versagt meine Kamera nach 10 Minuten, was mich angesichts der zahlreichen Motive besonders ärgert. Aber auch ohne Linse sind die Figuren beeindruckend lebendig gestaltet und ich setze das Museum gedanklich auf die ToDo-Liste für meinen nächsten Besuch im Sommer.

Musée Rodin- 79, rue de Varenne - 75007 Paris - M13: Varennes.

Gedanken im Café au musée

Hannah hat mich heute früh aus dem Tiefschlaf geweckt. In der gewöhnungsbedürftigen Betonhöhle, die eigentlich ein ausgebauter Tunnel ist, habe ich erstaunlich gut geschlafen. Denke drüber nach, in ein Haus mit Gewölbezimmern einzuziehen. Oder mir welche bauen zu lassen...? Es ist viel zu kalt um fit zu sein, aber da ich schon einmal wach bin, mache ich mich direkt auf zum Musée Rodin .

Ich bin natürlich viel zu früh. Das Museum öffnet erst um 10:00h und so verlaufe ich  eine halbe Stunde um den Block, auf der Suche nach einem schnuckligen Café. Damit haben die Pariser es leider nicht so... Komme an zwei Brasseries vorbei, die mir zu dunkel sind, um mich hineinzuwagen. Schimpfe mich einen Feigling. Gehe trotzdem weiter. Mein Knie tut beim Laufen weh. Die Jeans scheuert bei jedem Schritt und ich bin mir sicher, dass der Stoff bald durchtränkt sein wird mit meinem Blut. Mindestens! Blödes Glatteis! Es hat heute Nacht noch einmal geschneit und zwar gerade so viel, dass die Gehsteige mit einer hauchdünnen, gefährl heimtückischen Eisschicht überzogen sind. Abdellah ist gerade auf dem Weg nach Marokko. Bin ein bisschen neidisch ...

Végét'Halles

Habe die letzte Nacht bei Hannah gepennt und natürlich den Abend mit meinen Kolleginnen verbracht. Karin hat uns in ein tolles vegetarisches Restaurant geführt, wo alle Gerichte zwar aussehen wie Fleisch aber eben aus Tofu und Weizenproteinen gekocht sind. Etwas gewöhnungsbedürftig aber ich nehme an, dass ein Restaurant nur mit Gemüsegerichten bei den Franzosen noch weniger ankommt als bei einer Horde Fußballer... Ich kam mir ja ein bisschen verarscht vor aber die Lasagne war lecker. Fakefleisch hin oder her.Die besondere Würze gab es natürlich durch den neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Büro. Ich bin froh, dass ich den großen Aufstand nicht mehr miterlebt habe, denn die Stimmung scheint ganz schön den Bach runtergegangen zu sein, seit ich Telelangue im Dezember verlassen habe...

Saveurs Vegét'Halles , 41 rue des bourdonnais, 75001 Paris. M4: Châtelet les Halles.

Life is a rollercoaster

Ich habe gestern innerhalb weniger Stunden von zwei Menschen, die sich noch nie gesehen haben (aber mich beide gut kennen) ein psychologisches Gutachten über mich selbst erhalten. Kurzfazit: Übermäßige Reisewut.Ich will mich hier nicht weiter über die Vor- und Nachteile auslassen, aber ich gebe zu: Ich konnte nur mäßig überzeugend widersprechen.

Schon allein weil ich diesen Beitrag mal wieder aus Paris schreibe. So wirklich in die Fremde hat es mich ja nicht gezogen, auch schreibe ich von eben dem Ort, an dem auch mein allererster Pariseintrag entstanden ist. Ich scheine gerade also immer wieder an altbekannte Orte zurückzukehren, anstatt noch weiter nach unerforschten Ufern zu suchen. Aber ich wollte die Psychologie ausklammern und lieber von meinem Tag berichten.

Zugegeben, es ist nicht alles nach Plan gelaufen. Hätte nicht die Stornierung meines vor langem gebuchten Fluges so viel Geld gekostet, wäre ich nicht im kalten, verschneiten Paris sondern immerhin im kalten, vereisten Berlin mit sinnvollen praktischen Dingen beschäftigt, anstatt vor dem Wind in Muséen zu flüchten, die bei meinem letzten Aufenthalt keine (aber auch wirklich gar keine) Beachtung fanden. Beeindruckend, Werke einmal in "live" zu sehen, die man als Kind schon bewundert hat - damals noch in Posterform. Das Musée d'Orsay ist leider wahnsinnig überlaufen und nach zwei Stunden hatte ich auch keine Lust mehr, mich an den Gemälden vorbeizuschieben. Danach habe ich mich der Kälte widersetzt, indem ich mich an Orte begeben habe, die warme Gedanken machen: Zum Crêpes essen, Schmuckläden ankucken und allgemein durch den Schlussverkauf bummeln. Alles riesig reduziert aber ich fürchte ich bin zu spät... Die Auswahl ist ziemlich dünn und der erhoffte Mantel bei Filles à la Vanille bleibt ein Wunschtraum.

Mal sehen ob sich beim Europhil-Treffen heute Abend eine Beschäftigung für morgen auftut. Hamam wäre ja schon toll aber 25 Ören für einen Ausflug alleine? Das überleg ich mir nochmal...